Nachrichten von Fr. Anthony Otu Abban aus Ghana

Vom September 2022 bis September 2023 absolvierte Father Anthony Otu Abban, besser bekannt unter Tony, seinen Freiwilligendienst in unserer Pfarreiengemeinschaft.
In dieser Zeit ist er vielen Menschen hier in den drei Gemeinden ans Herz gewachsen und er hat den großen Wunsch geäußert, mit diesen über regelmäßige "Statusmeldungen" aus seiner Heimat Kumasi in Ghana in Kontakt zu bleiben. Diesem Wunsch kommen wir gerne nach. In unserem Pfarrbrief Dreiklang drucken wir diese Berichte ins Deutsche übersetzt ab, auf dieser Seite sind sowohl der jeweilige Original-Text als auch die deutsche Übersetzung zu finden.

Tonys Resümee nach den ersten 3 Monaten zurück in seiner Heimat

OUT OF SIGHT NOT OUT OF MIND

It gives me much joy to communicate with you, my lovely people. I am elated also to stay in contact with you through this medium of the parish community’s newsletter. It is such a delight to recollect my days in your heart filled welcoming communities of Akum, Eggermühlen and Kettenkamp. I often recall my moments with the pastoral team, of our exciting German-English liturgical celebrations, prayerful moments, spiritual activities and all other social celebrations that bonded us so well. Maybe I can mention a few that I  recall;  our DG meetings, Ecumenical visits, various celebrations in the Dom of Osnabruck, Our Holy Mass together, baptism, funerals, our pilgrimage trips with the team.

I remember all the parish office administrators and volunteers who served at mass in various capacities and fields. Many of those specific and thrilling moments we shared together I may not be able to scribble them here now in detail but they certainly have an indelible place in my heart.

How can I ever forget St. Nicklaus celebration with the lucky zone boys and girls (seniors)? U 60 and the famous phrase Ich bin der Nicolaus. My experience with the youth at their meetings and our little one night drinking show at Haus Kirchburg….Faaabom!!!! ( Prost). All these memories give some joy. I remember some memorable encounters at Eggermuhlen during the St. Martin’s celebrations, the fantastic show of love during the colourful carnival celebration. I often recall the memorable times at Kettenkamp, the Easter celebrations, the blessing of the big fires and all the fire fighters around. The shooting fest celebrations. Horrido!!!

I am keeping all the faces of all the people I got the opportunity to interact with during my stay in your wonderful communities. I keep you so close to my heart and thoughts so that I don’t forget our times together.

Since my coming back to Ghana, I took some time to settle down slowly because I had to deal with a bit of counter clashes here and there! Most significantly is the issue of time. At the beginning of my return I realised that I had to get used to spontaneous timing use here in Ghana because I had gotten used to, though not perfect with being on point at events, at the bus and train stations and other activities during my time in Germany. I have copied a practice of speaking directly to some issues and not mincing words. It fascinates me how we drive sometimes so higgledy-piggledy but we are not crashing into one another on the streets and even when an accident happens the two parties quickly rectify our differences because hardly will any police show up when they scratch someone’s car or commit a traffic misdemeanour.

I had a change of assignment from my former parish to a new one so I had to quickly adjust to my new responsibilities and duties. I am still working on the street sometimes and assisting with the Domestic Violence and Human Trafficking issues at the Safe Child Advocacy Centre in Kumasi Diocese. Interestingly, I had to deal with some of the high expectations of the people around me and some family members as well. Surely, that put me a little under pressure. I felt so obligated to assist people because every one of them called me a Borga and needed help materially or financially with something. I had some continuous talks here and there with my mentor and that surely helped me with my stability.

I was also blessed with the thrilling international youth exchange program between BDKJ Osnabruck and the Catholic Youth of Kumasi that was characterised by collegial exchange of ideas and the collective efforts to bridge the Youth of the Global Church. I am having a good social project with the volunteers from FDA Bistum Osnabrück.

I duly appreciate all the time and unceasing assistance you shared together with me while I stayed with you and even now when I am just one call away. My heart forever goes on to my host parents whose love and care kept me going on even when I am here in Ghana. We still enjoy some chats and photo exchanges sometimes.

It’s hard when you miss people. But I know that though you are out of my sight you will not be out of my heart and prayers.

Thank you

Much Love

Tony

 

Deutsche Übersetzung:

AUS DEN AUGEN, NICHT AUS DEM SINN

Es macht mir viel Freude, mit euch, meinen lieben Menschen, zu kommunizieren. Ich freue mich auch, mit Euch über den Dreiklang in Kontakt zu bleiben. Es ist mir eine große Freude, mich an meine Tage in den Gemeinden Ankum, Eggermühlen und Kettenkamp zu erinnern. Ich erinnere mich oft an meine Momente mit dem Pastoralteam, an unsere aufregenden deutsch-englischen Gottesdienste, an die Gebetsmomente, an die geistlichen Aktivitäten und an all die anderen Dinge, die uns so sehr verbunden haben. Vielleicht kann ich ein paar nennen, an die ich mich erinnere:  unsere wöchentlichen Dienstgespräche, teilweise mit ökumenischem Besuch, verschiedene Feiern im Osnabrücker Dom, unsere gemeinsame Heilige Messen, Taufen, Beerdigungen, unsere Pilgerreisen mit dem Team.

Ich erinnere mich an die Pfarrsekretärinnen und Freiwilligen, die in verschiedenen Funktionen und Bereichen an der Messe teilgenommen haben. Viele dieser besonderen und aufregenden Momente, die wir miteinander geteilt haben, kann ich hier jetzt vielleicht nicht im Detail aufschreiben, aber sie haben sicherlich einen unauslöschlichen Platz in meinem Herzen.

Wie kann ich jemals die Nikolausfeier mit den Senioren vergessen und den berühmten Satz „Ich bin der Nikolaus!“? Meine Erfahrung mit den Jugendlichen bei ihren Treffen und unserem schönen Abend im Haus Kirchburg....Faaabom!!! (Prost). All diese Erinnerungen bereiten Freude. Ich erinnere mich an einige denkwürdige Begegnungen in Eggermühlen während der St. Martinsfeier, an die schönen Begegnungen während der bunten Karnevalsfeier. Ich erinnere mich oft an tolle Zeiten in Kettenkamp, an die Osterfeierlichkeiten, an die Segnung der großen Osterfeuer und an die vielen Feuerwehrleute bei den Osterfeuern. Die Feierlichkeiten zum Schützenfest. Horrido!!

Ich behalte alle Gesichter aller Menschen, mit denen ich während meines Aufenthalts in euren wunderbaren Gemeinschaften interagieren durfte, in meinem Herzen. Ich behalte dich so nah an meinem Herzen und meinen Gedanken, damit ich unsere gemeinsame Zeit nicht vergesse.

Seit meiner Rückkehr nach Ghana habe ich einige Zeit gebraucht, um mich langsam einzuleben, da ich hier und da mit ein paar Kulturschock zu kämpfen hatten. Am wichtigsten ist die Frage der Zeit. Zu Beginn meiner Rückkehr wurde mir klar, dass ich mich hier in Ghana an den spontanen Umgang mit Zeit gewöhnen musste, weil ich mich während meiner Zeit in Deutschland daran gewöhnt hatte, auf Veranstaltungen, an den Bus- und Bahnhöfen pünktlich zu sein, wenn das auch nicht immer perfekt funktionierte. Auch die deutsche Praxis, einige Themen direkt anzusprechen und kein Blatt vor den Mund zu nehmen, habe ich mit in meine Heimat genommen. Der Verkehr stresste mich zu Beginn auch: Es fasziniert mich immer wieder, wie wir hier in Ghana häufig einfach durcheinander fahren, und trotzdem nicht zusammenkrachen nicht auf der Straße. Selbst wenn mal ein Unfall passiert, klären die beiden Parteien unsere Differenzen schnell aus, weil die Polizei selten auftaucht, wenn jemand einem anderen das Auto zerkratzt oder eine Verkehrswidrigkeit begeht.

Nach meiner Rückkehr bin ich in eine neue Pfarrei gekommen, dort musste ich mich schnell an meine neuen Aufgaben und Pflichten gewöhnen. Manchmal arbeite ich immer noch als „Streetworker“ und helfe bei den Problemen mit häuslicher Gewalt und Menschenhandel im „Safe Child Advocacy Centre“ in der Diözese Kumasi.

Interessanterweise musste ich mich mit einigen der hohen Erwartungen der Menschen um mich herum und auch einiger Familienmitglieder auseinandersetzen. Das hat mich sicherlich ein wenig unter Druck gesetzt. Ich fühlte mich so verpflichtet, Menschen zu helfen, weil jeder von ihnen mich einen „Borga“ (das ist ein Begriff für einen reichen Mann, der im Ausland viel Geld verdient hat) nannte und materielle oder finanzielle Hilfe brauchte.

Auch nach meiner Rückkehr habe ich regemäßige Gespräche mit meiner Mentorin Kirsten Ludwig und das hat mir sicherlich dabei geholfen, mit solchen Situationen umzugehen und diese zu reflektieren-

Ich war auch mit dem spannenden internationalen Jugendaustauschprogramm zwischen dem BDKJ Osnabrück und der Katholischen Jugend, von Kumasi im September, kurz nach meiner Heimkehr, gesegnet, das von kollegialem Gedankenaustausch und den gemeinsamen Bemühungen geprägt war, eine Brücke zwischen der Jugend der Weltkirche zu schlagen. Ich habe ein gutes soziales Projekt mit den Freiwilligen vom Bistum Osnabrück.

Ich schätze all die Zeit und die unaufhörliche Unterstützung, die ihr mit mir geteilt habt, während ich bei euch war und sogar jetzt, wo ich nur einen Anruf weit entfernt bin. Meine Gasteltern Maria und Detert, deren Liebe und Fürsorge mich auch hier in Ghana weitertragen, werde ich für immer in meinem Herzen tragen. Wir telefonieren regelmäßig und tauschen manchmal Fotos aus.

Es ist schwer, wenn man Menschen vermisst. Aber ich weiß, dass, obwohl du aus meinen Augen bist, du nicht aus meinem Herzen und meinen Gebeten sein wirst.

Vielen Dank und viel Liebe

Euer Tony aus Kumasi, Ghana